Die Geschichte

GRÜNDUNG UND DIE ERSTEN 10 JAHRE

Der Spielmannszug der Turner aus dem benachbarten Steinbach weckte bei jungen Weißkirchenern im April 1889 den Wunsch nach einem Turnverein. Auf den 5. Mai 1889 wurde im Gasthaus "Zur Linde" die Gründungsversammlung einberufen. Ein 5 köpfiges Gremium arbeitete die Statuten aus (heute Satzung genannt). In einer weiteren Versammlung am 26. Mai 1889 wurden die Statuten genehmigt, das Einschreibegeld auf 1 Mark und der wöchtenliche Beitrag auf 10 Pfennige festgelegt. 
Am 20. Oktober 1889 zeigte sich der Turnverein mit seinem Abturnen in der Öffentlichkeit. Turnplatz war bis zum Bau der eigenen Turnhalle 1951 die Gemeindebleiche. Turngeräte wurden selbst angefertigt z. B. Hochsprungständer und ein Reck aus Holz. 1890 kam eine 25 kg schwere Hantel und ein Barren dazu. Das Übungsangebot bestand im Turnen am Reck, Übungen mit Hanteln, dem Frei-Weit- und dem Frei-Hoch-Springen. Durch den Beitritt zum damaligen Obertaunusbund, Mitglied im Main-Taunus-Bund, konnten nun Wettkämpfe und Veranstaltungen des Bundes besucht werden. Herrmann Diehl gelang als erstem ein Turniersieg auswärts. 
1893 wurde dem jungen Verein das Bundesfest des Main-Taunus-Bundes übertragen, das sportlich und finanziell ein großer Erfolg wurde. 1896 wurde eine Kleiderkasse eingerichtet. Beim Anturnen im Mai 1897 traten die Turner einheitlich in weißer Drillichjacke an. 
Das 10-jährige Stiftungsfest hatte seinen Höhepunkt in der feierlichen Fahnenweihe. Das Preisturnen enthielt damals Weitspringen und Stemmen.

1899 BIS 1914

Zwist und Streit führten 1899 zu Austritten und zur Gründung der "Turngesellschaft Weißkirchen". Deren Turnplatz lag in der Bahnhofstraße (heutige Kurmainzer Straße, Haus Nummer 90), später war es die heutige Weißkirchener Straße, Höhe Betten-Rühl. Anfang 1908 löste sich die Turngesellschaft auf, ein Teil der Mitglieder wechselte zum Turnverein 1889 Weißkirchen. Verbandspolitisch wurde der Turnverein 1903 in die "Deutsche Turnerschaft" eingebunden, so dass Weißkirchender Turner nun an allen Turnwettkämpfen teilnehmen konnten. 
Das große Vereinsgruppenbild von 1903 lässt u.a. die Turnkleidung und die Hanteln für das Stemmen erkennen (hintere Reihe), ebenso einen Spielmannszug, der nach Einführung des Schülerturnens im Jahre 1911 durch einen Schüler-Spielmannszug ergänzt wurde, der bis zum 1. Weltkrieg bestand. Der Taunus im Hintergrund zeigt symbolisch die Verbundenheit zum Feldbergfest an, das 1903 erstmalig besucht wurde. 

Weitere Aktivitäten im Turnverein zwischen 1910 und 1914:
  • Einführung des Damenturnens (während des Krieges eingeschlafen)
  • Aufnahme des Turnspielens (Faustball für Turner und Trommelball (Trampolin) für Turnerinnen)
  • 25-Jahrfeier am 14. und 15. Juni 1914
mit Fackelzug und Festzug, Schauturnen und einem Festabend unter großer Beteiligung der meisten Ortsvereine und vieler auswärtiger Vereine. Diee Turnerbälle am 2. Weihnachtsfeiertag hatten 1913 ihr 10-jähriges Bestehen;sie fanden bis 1966 regelmäßig statt.

KRIEGS- UND NACHKRIEGSZEIT DES 1. WELTKRIEGES

6 Wochen nach den Festtagen der 25-Jahrfeier mussten 20 Mitglieder zu den Fahnen. Solidarität war gefordert; die Familien der zum Kriegsdienst einberufenen Mitglieder wurden tatkräftig und finanziell unterstützt, weitere Mittel der Kriegsfürsorge überwiesen. Ein regelmäßiger Turnbetrieb fand nicht statt. Als die Friedensglocken läuteten, kehrten 6 Turner nicht mehr zurück. Ihnen zu Ehren wurde am 12.12. 1920 im damaligen Turnsaal "Zum Taunus" eine Ehrentafel enthüllt, die seit der Benutzung dieses Saales durch die Besatzungstruppen 1945 verschwunden ist. 
Gleich nach dem Krieg setzte der Turnbetrieb wieder ein. Männer-, Jugend- und Schülerturnen sowie Faustballspiel waren beständig im Übungsangebot ausgewiesen. Die Faustballmannschaften waren im ganzen Gaugebiet geachtete Gegner. Das "Damenturnen" wurde 1922 eingestellt, lebte aber 1928 als Frauenturnen unter der Leitung von Karl Heil wieder auf. Er hat über Jahrzehnte den Turnbetrieb geprägt und hatte an der Ausgestaltung der Vereinsfeste wesentlichen Anteil. 
Gegen das Frauenturnen gab es viele Anfeindungen und Widerstände. Geturnt wurde "Auf der Bleiche", z. T. am Sonntagmorgen und den Kirchgängern zeigten sich die "Damen" dann noch "entblößt". 1930 war die Riege auf 25 Turnerinnen angewachsen und sie beteiligte sich an vielen Wettkämpfen.
Mit Schülerturnen, Jugend- und Männerturnen, dem Turnen für Schülerinnen und Jugendturnerinnen und dem Frauenturnen sowie dem Volksturnen (damalige Bezeichnung für die Leichtathletik) und dem Faustball war die Struktur des Turnvereins vorgezeichnet. 
Fußball und Boxen bzw. Schwerathletik (1929 aufgenommen) konnten sich auf Dauer nicht etablieren. 
Der Verein richtete zwischen 1926 und 1932 zahlreiche Feste aus, was als ein Dokument eines pulsierenden Vereinslebens gelten muss: 

1926   Gauschülerturntag des Main-Taunus-Gaues
1928 Gedenkfeier aus Anlass des 150. Geburtstages von Friedrich Ludwig Jahn (Umbenennung der "Bleichstraße" in die "Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße")
1929   40-Jahrfeier des Turnvereins1930Bühnenschauturnen1932Turnvergleichskampf mit Bonames und der Turngemeinde Niederursel
Einen guten Einblick in die Struktur des Vereins verschafft der "Festabend" der 40-Jahrfeier. Nimmt man die Festfolge vom Samstagnachmittag des 4. Mai hinzu, Faustballspiel, allg. Freiübungen, Volksfest mit Preisschiessen und Kinderspielen, dann lässt sich herauslesen, dass die Breitenarbeit immer ein besonderes Anliegen im Turnverein war.
DIE ZEIT 1933 - 1945

Nach 1933 setzte eine "Neuordnung der deutschen Leibesübungen" ein, sowohl inhaltlicher als auch organisatorischer Art. Der Verein wurde 1936 dem Kreis 11 Friedberg zugeteilt. An die Stelle des Vorsitzenden rückte ein "Führer". Den Verantwortlichen im Verein wurde es nicht leicht gemacht. Der freien Entfaltung der Kräfte setzte der Hitlerstaat die Gleichschaltung gemeinsam betriebenes Leibesübungen entgegen. 
Zitat aus den Richtlinien des Reichssportkommisars: "Turnen und Sport müssen von jeder individualistischen Einstellung losgelöst, wahrhaft und volkstümlich werden. Für alle Geschlechter und Lebensalter sollen die gemeinsam betriebenen Leibesübungen ein Höhepunkt frohen Gemeinschaftswesens bilden." 
Zudem wurden die Vereine in einem Schreiben der NSDAP aufgefordert, alle Überschüsse von Veranstaltungen des Winters 1933/34 an die Volkswohlfahrt abzuführen. 
1936 wurde die Kinderabteilung aufgelöst, da Gemeinschaften des Reichsbundes keine eigenen Kinderabteilungen besitzen durften. Die 10- bis 14-jährigen wurden vom "Jungvolk" bzw. "BDM" betreut. Den Turn- und Vereinsbetrieb versuchte man entsprechend zu gestalten. 
Am Dt. Turnfest 1938 in Breslau (heutiges Polen) nahmen 13 Turner vom Verein teil. 
1939 wurde der Turnverein 1889 Weißkirchen 50 Jahre alt. Der Festabend fand am Gründungstag statt, die kreisoffenen Jubiläumskämpfe am 8. und 9. Juli. 450 Teilnehmer und Teilnehmerinnen fanden "den dörflichen Anger als gegebene Stätte für die Wettkämpfe" (Pressezitat). 
Wenig später brach der 2. Weltkrieg aus. Bis 1943 konnte ein relativ normaler Turnbetrieb aufrechterhalten werden, ebenso wurde an Wettkämpfen teilgenommen. 
Mit dem Zusammenbruch 1945 schien die Todesstunde für den TVW geschlagen zu haben.

NEUBEGINN UND NEUGRÜNDUNG

Nach dem 2. Weltkrieg sprach die US-Militärregierung ein Verbot aller Turn- und Sportvereine aus, die dem nationalsozialistischen Reichsbund angehört hatten. Davon waren auch die Vereine betroffen, die von den Nazis gleichgeschaltet worden waren. Darüber hinaus verhängte die Militärregierung eine Turnvereinssperre. Später wurde die Gründung eines Sportvereins per Ort erlaubt mit der Maßgabe, dass die Vereine ausschließlich Rasenspiele betreiben durften. 
Ausdruck neuen sportlichen Lebens war 1946 die Gründung der Kultur- und Sportgemeinschaft (KSG). Außer dem Fußballspiel sollte auch das Turnen aufgenommen werden, aber erst 1948 fanden sich die Turner in der KSG zusammen. 
Am 28. September 1948 fand die erste Turnstunde statt (die Militärregierung hatte die Bestimmungen gelockert). Da der größte Teil der Sport- und Spielgeräte unbrauchbar geworden oder abhanden gekommen war, war man auf Leihgaben aus Kalbach und der Grundschule angewiesen. 
Neu angeschafft wurden 1949: 1 Turnpferd, 1 Paar Barrenholme, 15 Paar Keulen, 15 Sprungseile, 2 Schlagbälle. 
Zwischen der Fußball- und der Turnabteilung traten recht bald Differenzen auf. Am 18. Februar 1949 beschlossen die Vertreter der Turnabteilung die Trennung von der KSG. Der Turnbetrieb lief gerade 5 Monate. 
Eine Mitgliederversammlung (53 Anwesende - heute sind es oft weniger, obwohl der TVW über 900 Mitglieder hat) beschloss am 5. März 1949 das Wiederaufleben des Turnvereins 1889 e.V. Weißkirchen. Gleichzeitig trat eine neue Satzung in Kraft, die den geänderten Bedingungen angepasst war.

Exkurs über Satzungsänderungen
Weitere Satzungsänderungen wurden 1954, 1968 und 1983 vorgenommen. 1949 waren die politischen Verhältnisse der Grund zur Satzungsänderung - wer konnte oder durfte "die Pflege des deutschen Volkstums" (vgl. § 1) noch unvoreingenommen aussprechen. 
Von der Turnerfamilie zur Sportlervereinigung, so lässt sich in Kurzform die Vereinsentwicklung charakterisieren. Die zunehmende Mitgliederzahl und die Neigung unserer Zeit zur justitialen Form machten die genannten Satzungsänderungen erforderlich. 

Der Leser möge sich die zeit nehmen und die Auszüge aus den Satzungen von 1890 und 1983 auf sich wirken zu lassen.

Hinweise des Chronisten:
Die Sprache selbst ist ein Stück unserer Geschichte. Hinter dem Begriff "Deutsche Turnerschaft" verbirgt sich der Gültigkeitsbereich des Deutschen Reiches inklusive der ehemaligen deutschen Ostgebiete. Politisch steht dahinter die Teilung unseres Landes.Turnen darf nicht mit dem heutigen Geräteturnen gleichgesetzt werden, näher kommt man dem Sinn, wenn man Disziplinen wie Prellball, Faustball oder Orientierungslauf, um nur einige zu nennen, in das Grundverständnis von Turnen aufnimmt. 

Doch nun zurück zu den Vorgängen 1949. Das Vereinsguthaben bei der Sparkasse aus dem Jahr 1944 wurde infolge der Währungsreform auf 6% seines Betrages abgewertet. Auf dem Sparbuch standen am 13. Mai 1949 noch ganze 14,04 DM. Der gerade wieder ins Leben gerufene Turnverein konnte bei dieser Kassenlage 1949 seine 60-Jahrfeier nur in bescheidener Weise begehen. Ein Jubiläumsschauturnen im Juli durfte nicht fehlen. Wie schnell aber die Begeisterung für das Turnen wieder wuchs, zeigte das Abturnen, an dem sich 58 Wettkämpfer beteiligten (bei ca. 130 Mitgliedern). 
Der Gasthaussaal "Zum Hirsch" platzte aus allen Nähten, vom Kinderturnen bis zum Turnen der Erwachsenen sowie Tischtennis reichte der Übungsbetrieb. Wollte sich der TVW weiterentwickeln, so war eine eigene Turnhalle unumgänglich. Diese wurde 1951 eingeweiht (weiteres dazu finden Sie in "Chronik unserer Turnhalle").

TURNERISCHER AUFSCHWUNG MIT DER EIGENEN HALLE

Mit der feierlichen Turnhalleneinweihung am 18. und 19. August 1951 wurden bezirksoffene Wettkämpfe verbunden mit einer Beteiligung von ca. 500 Wettkämpfern. Der Verein gab zu diesem Anlass eine kleine Festschrift heraus, in der 200 Mitglieder genannt werden. 
Noch im gleichen Jahr 1951 bildete sich die Frauengymnastikabteilung, die heute durch Yoga ihre Ergänzung gefunden hat. 
Zum 8. Gauturnfest des Turngau Feldberg 1954 drängten sich über 400 Wettkämpfer auf den kleinen Wettkampfanlagen des TVW. Über 100 Kampfrichter, Ordner und Obleute wurden von den Weißkirchenern in Quartier genommen, obwohl die Wohnverhältnisse sehr viel beengter waren als heute. Der Ausklang des Festes litt unter Teilnehmermangel, wollten die meisten doch am Radio miterleben, wie Deutschland am gleichen Tag Fußballweltmeister wurde.

Der TVW brachte in diesen Jahren zwar keine Spitzensportler hervor, doch die Teilnahme an allen Gau-, Landes- und Deutschen Turnfesten sowie an zahlreichen Bergturnfesten beweist die rege Vereinstätigkeit. 
Der Aufruf zur Turn- und Gymnastikstunde für Jedermann im Oktober 1960 belebte und bereicherte nur die Frauengymnastik. 
Bei der Vielfalt des Übungsangebots gab und gibt es immer wieder Problembereiche. So musste 1961 bemängelt werden, dass die Übungsstunde für die Turner sich zur Fernsehstunde entwickelt hatte oder es fehlte im Turnerinnenlager an geeigneten Vorturnerinnen. Die Suche nach geeigneten Übungsleitern ist eine ständige Belastungsprobe der Turnvereine überhaupt, mit ihnen steht und fällt der Übungsbetrieb und die sich aus ihm ergebenden Erfolge. 

Das Wiedererwachen der Tischtennisabteilung 1961 ist ein Meilenstein in der Vereinsentwicklung, mauserte sich diese Abteilung zu einer der aktivsten, wobei der Jugendarbeit große Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Entsprechende Erfolge auf Kreis- und Bezirksebene sowie Gewinne in hohen Pokalrunden belegen das gute Niveau unserer Mannschaften. 
Der erneute Versuch "Ältere" zu aktivieren führte 1962 zur Prellballabteilung, die lange Zeit eine kleine, aber stet rührige Abteilung blieb. In letzter Zeit erfreute sie sich auch bei Jugendlichen steigender Beliebtheit. Unsere Prellballer fühlen sich seit Jahren in den Landesligen wohl, auf Deutschen Turnfesten standen sie mehrfach auf dem Siegertreppchen. 

Das Jahr 1967 stand unter dem Motte "75 Jahre Turnverein". Am Festabend, dem 9. Mai wurde die von den Turnerinnen und Frauen gestiftete neue Vereinsfahne geweiht und dem Turnverein übergeben. Sie soll die Turnerinnen und Turner bei allen Reisen nach auswärts, vor allem bei großen Turnfesten, begleiten. Die ältere Schwester bleibt den Vereinsfeiern und örtlichen Anlässen vorbehalten. 
Am 14. Juni 1964 trafen sich die Kinder des Turngau Feldberg bei strahlendem Wetter zum Gaukindertreffen. 

Das Abturnen am 4. Oktober war im wahrsten Sinne des Wortes ein strahlendes Fest. Strahlendes Sonnenwetter und strahlende Kinderaugen, die voller Eifer ihre Sportleistungen verfolgten, dazu die Wettkämpfe der Tischtennisabteilung, der Prellballer und der Leichtathleten machten aus diesem Sonntag einen Höhepunkt unseres Jubiläumsjahres (Zitat aus den "Turnermitteilungen" Nr. 9). Das Tanzen durfte am Abend nicht fehlen. 
Weißkirchen wurde als Wohnort für viele Frankfurter immer beliebter, vielen neuen Mitgliedern fehlte jedoch der Kontakt zum Vereinsgeschehen. Diesem Mangel sollte durch die "Turnermitteilungen", den Vereinsnachrichten, gegengesteuert werden. Nach einem 1. Versuch 1955 mit 2 Ausgaben konnten sie sich ab September 1962 etablieren. Sie erscheinen in zwangloser Reihenfolge, ihre Beiträge sind ein Spiegelbild des Vereinsgeschehens. Im Jubiläumsjahr 1989 wird unser "Vereinsspiegel" 27 Jahre alt, wir werden bei Vorligen dieser Festschrift die Folge 120 schreiben können. 

Infolge der Turnhallenerweiterung musste 1966 der Turnbetrieb eingeschränkt werden. Stolze Erfolge werden wieder ab 1967 gemeldet.

SCHARLACHBERGFEST UND ZELTLAGER

Am 26. und 27. August 1967 erlebten 30 Teilnehmer die Idylle einer kleinen Zeltstadt auf dem Scharlachberg bei Bingen. Von den 24 Wettkämpfern konnten 22 Sieger werden, ein großartiger Anreiz, wiederzukommen. Seit 22 Jahren veranstaltet nun der Turnverein 1889 Weißkirchen sein Zeltlager, davon 8 mal Scharlachberg, 4 mal Loreley, je 3 mal Heisterberg (Westerwald), Stromberg und Ober-Selters, fast immer unter der Leitung des Ehepaares Irmtraud und Hans Lukesch. Über 500 Kinder und Jugendliche spürten eine liebevolle Pflege ihrer Lagereltern, können über spannende Erlebnisse berichten und stehen teilweise noch heute dem TVW zur Verfügung. So müssen sich die Lagerteilnehmer durch einen Morgenlauf und Gymnastik ihr Frühstück verdienen, "stehen Schlange" für den Küchen-, Wasser- und Lagerdienst, sorgen dafür, dass das Lagerfeuer nicht ausgeht oder halten Nachtwache. Das Lagerleben kennt sportliche Spiele, Ratespiele und Gruppenwettstreite wie das Bauen einer Sonnenuhr, einer Windmühle oder eines Vogelhauses ohne die Verwendung von Nägeln. Es müssen Pflanzen und Hölzer bestimmt werden, es sollte Limonade hergestellt werden, deren Zutaten in Büchereien selbständig erforscht werden mussten. Unvergesslich bleiben Nachtwanderungen, oft eine Rally zu Fuß, von denen jeder im Vorhinein weiß, dass ein Lexikon, ein Kompass und ein Metermass zum Marschgepäck der Gruppe gehören. 

Der Turnverein 1889 Weißkirchen ist stolz auf diese Jugendarbeit und hat dafür DM 40.000 (Vierzigtausend) bereitgestellt, ohne Zuschüsse zu berücksichtigen, hinzu kommt eine fünfstellige Summe für die Anschaffung der Zelte und der Lagereinrichtung. 
An den von der Stadt Oberursel initialisierten Spielfesten stellten sich viele Zeltlagerteilnehmer als Betreuer für Spiele zur Verfügung und gaben ihre Erlebnisse an andere Kinder weiter. Am Hessischen Landesturnfest in Oberursel wirkten viele als Helfer mit.

BREITENSPORT UND LEISTUNGSRIEGEN IM TURNEN

1967 wird die Turnstunde Mutter und Kind (heute: Eltern und Kind) eingerichtet. Dieser Bereich erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Die Mütter sind nicht nur Zuschauer, sondern turnen mit den Kleinkindern. Spielend erlernen dabei Kinder und Mütter Übungen, die man täglich durchführen sollte, um fit zu sein. 

Die Schwierigkeiten im Turnen konnten 1967 durch das Zusammengehen mit dem TV Bommersheim überwunden werden. Das gemeinsame Abturnen mit diesem Nachbarverein galt als gelungenes Experiment. Das Kinder- und Jugendturnen wurde bis 1973 von Max Göckler geleitet, der es verstand, Spaß am Turnen auf pädagogisch geschickte Art zu wecken. Er legte den Grundstein für die Turner, von denen 1987 gemeldet wurde, dass sie zum 13. Male Gaumannschaftsmeister wurden. 

Die Gymnastik für Frauen und die Gymnastik für Männer feiern im Jubiläumsjahr selber ihr 20-jähriges Bestehen. Im Winterhalbjahr werden heute Elemente der Skigymnastik integriert, so dass alle Skihasen gut ihren Winterurlaub überstehen können.

In den Jahren 1969 bis 1974 erneuerte und ergänzte der Turnverein seinen Gerätebestand um ca. DM 29.000. 

Unsere Turnerinnen erreichten 1978 die Aufbaurunde. Der Nachwuchskader war jedoch zu klein, um sich langfristig in dieser höchsten Klasse auf Landesebene halten zu können. Die Übungsstunden für die Leistungsriegen wurden in die Schulturnhalle nach Stierstadt verlagert, später z. T. an die GSO in Oberursel. In diesen Großhallen blieben die Geräte ständig aufgebaut, sodass die Trainingseinheiten intensiver gestaltet werden konnten. Dieser Auslagerung sagt man im Vorstand mit gemischten Gefühlen entgegen, Befürchtungen der Entfremdung der aktiven Mitglieder und des Verlustes des Zusammengehörigkeitsgefühls sind bis heute nicht ausgeräumt. Andererseits wäre ohne die Verlagerung des Übungsbetriebs in Schulturnhallen eine Ausweitung des Übungsangebots nicht denkbar gewesen. 

Weißkirchener Turnerinnen turnen bis heute in der Gauriege des Turngau Feldberg.

NEUE ABTEILUNGEN

Im August 1972 berichten die Turnermitteilungen, dass der Bau der Hoch- und Weitsprunganlagen abgeschlossen ist (Eigenhilfe), im Mai 1972 kann infolge eines neuen Übungsleiters das Leichtathletiktraining verstärkt angeboten werden. Dies wurde die Geburtsstunde der Leichathletikabteilung.
Seit Juli 1974 organisiert sie ihre beliebten Nachtwanderungen. Verstärkt wurden die vom Leichtathletikverband (DLV) ausgeschriebenen Wettkämpfe besucht, was nicht ohne Folgen auf die Beteiligung z. B. an Gaufesten blieb. Über Jahre hinweg tobten Dispute, welche leichtathletischen Wettkämpfe mit Vorrang zu besuchen seien, die vom Turngau oder die vom DLV. Seitdem die "Satzung 1983" in Kraft ist, die den Abteilungen mehr Eigenständigkeit einräumt, haben sich die Wogen geglättet. 

Das erste vereinsinterne Abendsportfest fand 1976 statt, es hatte für alle Altersklassen leichtathletische Wettkämpfe bei geselligem Ausklang zum Inhalt. Wegen Terminnot sowie erlahmender Beteiligung wurde es 1980 aus dem Veranstaltungskalender gestrichen. 

Die Leichtathletikanlagen bleiben das Sorgenkind des Turnvereins, sind sie doch lediglich Anhängsel eines Fußballplatzes, zudem besteht keine Rundlaufbahn. Eine bescheidene Verbesserung gelang 1985 mit der Anschaffung eines Läufers für den Weitsprunganlauf. Mit der Fertigstellung der Schulturnhalle Weißkirchen konnte das leichtathletische Training insbesondere das Wintertraining verbessert werden. 
Eine Volleyballabteilung bildet sich 1975. 1 bis 3 Mannschaften spielen mit wechselndem Erfolg in den unteren Liegen des Volleyballverbandes. In diesem Mannschaftssport finden einige Jugendliche ein Korrelativ zu ihren Einzelwettkämpfen.

Seit 1980 macht eine unbekannte Sportart in Oberursel Schlagzeilen, das Orientierungslaufen. Bezirks-, Hessen-, Deutsche Meister und Berufungen in den Nationalkader, dies sind die Stationen unserer kleinsten Abteilung. Das hohe Engagement und das gute Orientierungsvermögen unserer Orientierungsläufer sind bis in die Verbandsspitze des Landessportbundes bekannt. Wir hoffen, dass diese naturverbundene "Bewegungsart mit Köpfchen" weitere Anhänger findet.

ERGÄNZENDES ZUM BESTEHENDEN ÜBUNGSANGEBOT

Die Nennung einzelner Abteilungen und einiger Prinzipien ihrer Ausgestaltung soll nicht mit den Abteilungsberichten konkurrieren. Aufgabe der Chronik ist es jedoch, Entwicklungen im Verein in ihrem Werdegang so darzustellen, dass sich daraus ein Gesamtbild ableiten lässt. Von diesem Verständnis ausgehend werden die Ereignisse nicht nach Jahrgängen geordnet aufgezählt, sondern es werden die Vorgänge funktionsbezogen vorgestellt. 
Der Leser erkennt hier im Wesentlichen die Vorgänge in den siebziger Jahren. Die Vorstandsarbeit befasste sich ganz entscheidend mit den Erweiterungen der Vereinsturnhalle, doch diese Vorgänge sind in der "Chronik unserer Turnhalle" zusammengefasst. 
So wurde 1978 eine "Tanzgruppe TVW" ins Leben gerufen. Gedacht war daran, Jugendlichen, die nicht mehr am Wettkampf teilnahmen, eine Betätigung im Verein anzubieten. Die Abwanderung der Turnerinnen und Turner nach Beendigung des Wettkampfsports war besonders hoch. Wer Meisterschaften im Geräteturnen der Frauen verfolgt, muss Verständnis haben, warum 20-jährige dieser Sportart den Rücken kehren. 1979 konnte eine Übungsleiterin für das Tanzen gewonnen werden, die die Gruppe einige Zeit betreute. Deren Tanzvorführungen wurde beim "Tanz um den Maibaum" mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Tanzgruppe konnte sich nicht weiterentwickeln, sie löste sich ca. 8 Jahre später auf. 

1984 wurde nach Anstößen von außen "Trampolinturnen" in den Übungsbetrieb aufgenommen. Differenzen mit einem von außen kommenden Übungsleiter waren keine guten Startbedingungen, der Run auf diese Sportart ließ schnell nach. Der zweite Trainer, aus unserem Turnerlager kommend, leitete jedoch eine kleine Trampolingruppe bis 1987. Mit seinem Weggang wurde das Trampolinturnen eingestellt. 
Das 7. Hess. Landesturnfest in Oberursel ließ alte Turnerherzen höher schlagen. Ein "Turner-Dämmershoppen" ist seitdem der äußere Anlass, sich an jedem 1. Montag im Monat über Probleme des Sports sowie anderer Tagesprobleme insbesondere solcher aus der Gemeinde Weißkirchen zwanglos zu unterhalten. Besonders unserer Ehrenmitglieder nutzen die Gelegenheit. Der "Kleine Saal" in unserer Vereinsturnhalle bietet weiteren Mitgliedern und auch Gästen ausreichend Platz zur Teilnahme an diesen Treffen.

Unterschiedliche Teilnehmerzahlen werden von den seit 1972 stattfindenden "Himmelfahrtswanderungen" gemeldet. 50 - 110 Mitglieder nutzen die Gelegenheit. Rundwanderwege von 7 bis 12 km enden an einem Rast- oder Grillplatz. Hier erwarten die "Abgeschlafften" ein warmer Imbiss und Erfrischungen. Auch Regentage taten der Geselligkeit und Fröhlichkeit keinen Abbruch, in Extremfällen fanden die Wanderungen in der Vereinsturnhalle statt, für unsere Jugend immer ein willkommener Anlass zum Volleyballspielen, für unsere Kleinsten eine gute Gelegenheit, unserer Turn- und Hochsprungmatten lautstark zu testen.

STEIGENDE TEILNEHMERZAHLEN AN DEN GROSSEN TURNFESTEN

Eine gespaltene Entwicklung vollzieht sich bei der Teilnahme an Turnfesten. Während das Gauturnfest 1987 einen Teilnehmertiefstand beklagte, (ganze 172 Wettkämpfer waren in Ober-Rosbach angetreten) erreichten die Anmeldungen zu Hess. Landesturnfesten und Dt. Turnfesten eine nie gekannte Höhe. Entwicklung in tabellarischer Form:

1978
Dt. Turnfest in Hannover
13 Teilnehmer
1980
Hess. Landesturnfest in Oberursel
38 Teilnehmer
1983
Dt. Turnfest in Frankfurt (18 Turnfestsiege)
40 Teilnehmer
1985
Hess. Landesturnfest in Fulda (33 Turnfestsiege)
44 Teilnehmer
1987
Dt. Turnfest in Berlin (über 40 Turnfestsiege)
59 Teilnehmer
Erstmals hatte der Verein zum Besuch eines Dt. Turnfestes einen Bus gechartert. Mit dieser Teilnehmerexplosion an den großen Turnfesten wird ihre Anziehungskraft, ihre Faszination und ihre Einmaligkeit dokumentiert, Faktoren, die den Gaufesten nun einmal fehlen. 
Turnerinnen und Turner unseres Vereins nahmen am Dt. Vereinsturnen und an den Abschlussveranstaltungen in Frankfurt 1983 und in Berlin 1987 teil. In Erwartung des Dt. Turnfestes in Frankfurt fand sich 1982 eine Gruppe von Altersturnerinnen und - Turnern, die 14-tägig mit einer Zauberschnur nach Musik Schwünge und einfache Drehungen übten, um damit ihren Anteil zur Abschlussveranstaltung im Frankfurter Waldstadion beizutragen. Diese Ehepaargruppe übte weiter mit Stäben oder Frisby-Scheiben und nahm am "Bunten Rasen" auf Gauturnfesten und des Hess. Landesturnfestes in Fulda teil, ja selbst der Weg zum Dt. Turnfest nach Berlin wurde nicht gescheut, um als Aktive an der Abschlussveranstaltung zugegen zu sein. 

Mitmachen, fröhlich dabei sein und seinen Stein zum Gelingen eines Turnfestes oder des Abturnens außerhalb des Wettkampfes beitragen, nach diesem Motto bereitet sich diese Gruppe auf die 100-Jahrfeier vor. 
Eine weitere Gelegenheit des aktiven Erlebens bietet seit 1986 unsere Yogagruppe. In kurzer Zeit verdoppelte sich die Teilnehmerzahl, ein Vertrauensbeweis für die gute Arbeit in dieser Übungsstunde.

VERANSTALTUNGEN IM WANDEL DER ZEIT

Ca. 60 Jahre waren Turnerbälle bis 1966 Höhepunkte des Vereinslebens. Einige Zeit zeichnete sich der Turnverein für die "Kerb" verantwortlich, zum Abturnen gehörte das Tanzen, sehr oft verbunden mit einem Schauturnen als Rahmenprogramm. Mangelnde Beteiligung zwang uns, diese Traditionsveranstaltung einzustellen. Geblieben ist das Abturnen in einer anderen Organisationsform. Das Motto "Der Sonntagnachmittag gehört der Familie" findet heute ein großes Echo. Die Kleinen haben ihren Wettkampf, Eltern und Großeltern feuern sie erst an und müssen danach auf ihren Sonntagsnachmittagskaffee nicht verzichten. Ein "Bunter Rasen" und die Siegerehrung der Vereinsmeister beenden das Abturnen. 

Beliebt und gut besucht sind unsere Turnermaskenbälle am Fastnachtdienstag. Erquickend ist die Gemeinsamkeit, mit der Jung und Alt ausgelassen feiern, sicherlich ein Verdienst unserer Preisgestaltung. 
Anlässlich seines 90-jährigen Bestehens wurde 1978 ein "Tanz um den Maibaum" kreiert. Bei Spiel-Sport-Spaß am Nachmittag konnten Mannschaften anderer Ortsvereine ihre Geschicklichkeit bei Übungen wie Büchsenwerfen, rasieren eines Luftballons, 1 Minute "Quickmelken an einer Pseudokuh", Ballwerfen über Hochsprungmatten etc. unter Beweis stellen. Der abendliche "Tanz um den Maibaum" in einer mit Birken geschmückten Turnhalle mit Ehrung der Siegermannschaften von Spiel-Sport-Spaß fand vor 10 Jahren viel Anklang. Besucherschwund trotz bester Witterung und ideenreicher Gestaltung gefährdeten auch diese Veranstaltung.
Unverändert erfolgreich sind die Weihnachtsfeiern der Kinder in unserer Vereinsturnhalle, in den letzten Jahren unterstützt von unserer Laienspielgruppe. Nach mündlicher Überlieferung wird seit 60 Jahren im TVW Theater gespielt. Über 300 Kinder und Eltern sind auf die Leistungssteigerung unserer Laienspielgruppe insbesondere im Jubiläumsjahr 1989 gespannt. Gesellige Abende in den Abteilungen runden das Bild ab. 

Im Frühjahr 1986 wurden erste Gespräche zur bevorstehenden 100-Jahrfeier geführt, Ausschüsse wurden Mitte 1987 gebildet und nahmen ihre Arbeit auf. 
Im Jahr 1968 wurde die Hauptversammlung von einem Antrag der Jugendlichen überrascht, die Mitsprache und Mitentscheidung im Vorstand verlangten (es waren die Jahre der Studentenrevolte, als junge Menschein in vielen Bereichen Mitwirkung verlangten).
Unsere Jugendvertreter leisten heute sachliche Arbeit ohne großes Getöse, ihren Standpunkt vertretend aber erlebend, dass Bessermachen weit schwieriger und freizeitraubender ist als fordern. 

Unser Wunsch muss sein, dass sich immer wieder Frauen und Männer finden, die im Sonne Jahns tätig sind und die Geschicke des Turnvereins 1889 Weißkirchen/Ts. e.V. sicher leiten. 
Turnerisch denken heißt die Zusammenhänge von Leib und Seele erkennen und in der Leibesübung nicht einen Götzen, sondern eine Dienerin des Lebens und eine wohltuende Bereicherung des Daseins sehen und das Bewusstsein eines inneren Vermögens deutlich empfinden. Turnerisch denken heißt weiter, hilfsbereit und entschlossen den Werdenden und Schwachen dienen sollen; heißt nicht, am eigenen Glanz sich berauschend, nur die Auswahl fördern wollen; heißt Dienst am ganzen Volke.
Max Schwarze

Juli 1988 Jürgen Ruddat

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